Microsofts neue Suchmaschine ist online: Der Name ist kurz und einprägsam – Bing heißt die Buchungsmaschine, die den Suchmarkt neu mischen soll.

Seit einiger Zeit werden die wie Unkraut aus dem Boden schießenden neu Suchmaschinen euphorisch gefeiert, wenn auch meistens nach dem Launch die erste Euphorie ob der schlechten Ergebnisse schnell verflogen ist. Der Begriff eines “Google-Killers” war zuletzt auch im Zusammenhang mit Wolframalpha immer wieder zu lesen, wohlgemerkt vor dem Launch. Als Wolframalpha dann live war, erschien es auch den nach Google Konkurrenz rufenden Webmaster mehr als fraglich ob die User nun Scharenweise zu der Suchmaschine mit dem wohl ungeeignetsten Namen überhaupt wechseln würden.

Der Ruf nach Konkurrenz im Suchmaschinenmarkt hingegen ist nicht ganz ungerechtfertigt. Google, welches längst keine reine Suchmaschine mehr, sondern eher ein Allround Services Provider ist, hat vor allem auch in Europa Marktanteile knapp unter Monopolisten Status. Da würde es im Sinne eines belebten Marktes allmählich Zeit werden, das eine wirklich ernstzunehmende Konkurrenz anfängt, das Geschäft etwas zu beleben.

Wenn es überhaupt jemand in absehbarer Zeit schaffen sollte ab Googles Vormachtstellung im Suchgeschäft zu rütteln, kommen da nicht sehr viele Unternehmen in Frage. Nicht weil es an kreativen und kompetenten Köpfen mangeln würde – sondern weil die Gewohnheit der User Google zu nutzen nahezu nicht mit Neuerungen und Verbesserungen der Serps verändert werden kann. Nicht zuletzt weil die meisten Benutzer mit dem Begriff Serps überhaupt nichts anfangen können – und wohl meistens auch keine Qualitätsunterschiede feststellen können, wenn man sie darüber aufklärt was damit gemeint ist.

Bing.com

Es geht also nicht unbedingt um die Qualität der Suchergebnisse, wenn man nach einem Rezept sucht Google vom Suchmaschinen Thron zu drängen. Extrem schlechte Suchergebnisse, mit denen der User überhaupt nichts anfangen kann hätte sicherlich Auswirkungen – aber solange die Treffer ein Mindestmaß an Qualität aufweisen sind es wohl eher andere Faktoren.
Um die Sache beim Namen zu nennen: Das Werbebudget spielt, meiner Meinung nach die wichtigste Rolle überhaupt. Da die Majorität der Nutzer das Produkt an sich – und das ist das Interessante daran – überhaupt nicht bewerten kann, ist es, wenn ein Mindestmaß an Qualität vorhanden ist, einzig und allein die Effektivität der Werbemaßnahme die zum Erfolg bzw. zum Misserfolg führt.



Die Nutzerkompetenzen entscheiden (nicht)

Nun mag man einwenden das die Leute sehr wohl bewerten können ob ihnen eine Suchmaschine gefällt oder nicht. Was die direkte Usability und das Design angeht mag das wohl stimmen. Wenn wir aber mal versuchen unsere Seo bzw. Online Marketer Brillen abzunehmen – ist es nach wie vor so, das ein Verständnis wie Suchmaschinen funktionieren und was gute bzw. schlechte Suchergebnisse sind bei der Maße der User überhaupt nicht vorhanden ist.
Das stellt kein Abwerten der Userkompetenzen dar – es muß nicht jeder in allen Bereichen bewandert sein, hiermit soll lediglich ausgedrückt werden, das super Suchergebnisse allein höchstwahrscheinlich nicht ausreichen würden um Google Marktanteile in einem spürbaren Ausmaß abzugraben.

Zwar ist es richtig, das Googles Erfolgsgesichte auf guten Suchergebnissen beruht und als das Jahrtausend noch etwas jünger war konnte Google mit genau diesen den damaligen Marktführern die Benutzer wegschnappen. Das ist ein durchaus legitimer Ansatz, nur stehen diesem zwei Faktoren gegenüber, die man, möchte man eine Analogie in die heutige Zeit ziehen, nicht übersehen darf:
Als Google den ersten Boom erlebte war das Internet noch nicht das Massenmedium, welches es heute darstellt. Die Benutzer zu dieser Zeit waren meistens zu einem wesentlich höheren Prozentsatz Technikaffin. Das bedeutet, das in einem Markt der damals sowieso wesentlich überschaubarer war als er es heute ist, Qualitätsunterschiede eine viel gewichtigere Rolle spielten.
Der Zweite Faktor ist das Google damals tatsächlich um Welten bessere Ergebnisse als Fireball, Altavista und Co lieferte. Ob es heutzutage für einen Konkurrenten möglich wäre, um Welten bessere Suchergebnisse als Google zu liefern, wage ich zu bezweifeln.
Annähend gleich gute, oder zumindest nicht viel schlechtere liefert derzeit z.b. Yahoo und noch ein, zwei andere. Aber graben die damit Google Marktanteile ab? Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn sich Microsoft beim Thema Suchmaschinen auch nicht allzu sehr mit Ruhm bekleckert hat, kann man in Bing durchaus einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont des Suchmaschinenmonopols erkennen. Ich hätte mir nicht träumen lassen, einmal ein Microsoft Produkt als Hoffnungsschimmer zu klassifizieren.
Wenn also Microsoft nicht ausreichend Werbebudget zur Verfügung steht – wem bitteschön dann?

Erste Testbereichte zu Bing gibt’s bereits, dazu möchte ich in diesem Posting nicht mehr viel schreiben – außer das ich die bisher gesehene Qualität der Ergebnisse für durchaus ausreichend halte um vielleicht nicht von einem “Google-Killer”, aber durchaus von einer belebenden Konkurrenz sprechen zu können.